Ich war 11.
Früh auf mich allein gestellt.
Ich war früh auf mich allein gestellt. Meine Eltern waren getrennt, meine Mutter hatte immer wieder wechselnde Lebenspartner. Irgendwann erkrankte sie selbst an einer schweren Depression. Danach kam sie auch irgendwie nie wieder zu mir zurück.
Ich war 11.
Ich glaube heute, dass ich mich aus dem Bedürfnis heraus früh in Beziehungen begeben habe, endlich dieses „Geliebtsein“, „Verbundensein“, „Gehaltensein“ zu spüren. Ich wollte dieses heile Familie Gefühl einfach haben.
Hier spielt für mich der emotionale Verlust meiner Mutter mit rein. Ich war mein ganzes Leben lang auf der Suche im Außen nach der Hand, die mich führt. Die mir sagt: Was zur Hölle soll ich tun? Diese Hand gab es einfach nicht mehr. Und so verirrte ich mich immer mehr und entfernte mich auch von mir selbst immer mehr.
Mutter. Verheiratet. Geschieden.
Ich bin früh gestartet. Mit allem.
Mit 17 bin ich selbst das erste Mal Mutter geworden. Mit 20 nochmal. Ich habe mit 19 geheiratet und war mit 23 schon wieder geschieden und alleinerziehend.
Ich habe früh gelernt, Verantwortung zu tragen, mich durchzubeißen und irgendwie weiterzumachen.
Danach hatte ich eigentlich die Schnauze voll von Partnern und wollte mich von meinem Wunsch abwenden. Ich habe einfach irgendwie nicht mehr daran geglaubt, dass das noch möglich ist für mich.
Und dann war er einfach da.
Ich wollte gar nicht. Ich suchte gar nicht.
Aber dann lernte ich meinen heutigen Mann kennen. Es war sofort wie eine Seelenverwandtschaft. Ich wollte gar nicht, ich suchte gar nicht. Und dann war er einfach da.
Bis heute.
18 Jahre später und seit 15 Jahren verheiratet gehen wir immer noch Seite an Seite. Durch alle Höhen und Tiefen. Immer ehrlicher, echter, wahrhaftiger, tiefer, liebender und lebendiger.
Wir werden irgendwie immer mehr und freier wir selbst. Und daraus entsteht eine immer geilere Verbindung.
Mittlerweile sind unsere Jungs erwachsen, 22 und 25. Und wir haben noch eine elfjährige Tochter.
Der Weg hierhin war allerdings nicht gerade und nur leuchtend.
Egal, an welchem Ort ich war …
Ganz unterschiedliche Welten.
Mit 14 habe ich in Fitnessstudios trainiert und später dort gearbeitet. Meine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau habe ich nach einer Depression abgebrochen. Nicht, weil ich „aufgegeben“ habe. Sondern weil sich Beruf, unmenschliche Arbeitszeiten und mein Leben als alleinerziehende Mutter nicht mehr gesund miteinander verbinden ließen.
Danach kamen ganz unterschiedliche Welten: Einzelhandel. Gastronomie. Schule. OGS. Mit Kindern habe ich Theaterstücke entwickelt, Kulissen gebaut, geprobt und aufgeführt.
Und rückblickend zieht sich etwas durch fast alle Stationen. Egal, an welchem Ort ich war: Menschen kamen immer zu mir. Kinder wie Erwachsene. Für Rat. Für Orientierung. Oder einfach, weil sie jemanden brauchten, der wirklich zuhört.
Lange bevor ich wusste, dass genau das einmal meine Arbeit sein würde.
Diesmal war alles anders.
Mit der Geburt meiner Tochter veränderte sich mein Leben von Grund auf.
Nach der Geburt meiner Tochter brachen Traumata und Erkrankungen aus. Ich hatte vorher schon, selbst in meiner Jugend, immer mal wieder mit depressiven Phasen und einer Angststörung zu tun.
Diesmal war aber alles anders. Noch im Kreißsaal merkte ich, dass etwas ganz Komisches mit mir passierte. Und das sollte sich bis in den heutigen Tag ziehen.
Ich bekam immer krassere Angstschübe und es zogen komische Gedanken durch meinen Kopf. Teilweise wie Bilder vor meinem inneren Auge. Diese machten immer mehr Angst. Heute weiß ich natürlich, dass das Zwangsgedanken waren.
Allerdings verschlimmerte sich die Situation rapide. Die Spirale führte steil bergab. Gedanken machten immer mehr Angst. Immer mehr Angst machte noch mehr von diesen Gedanken. In der Folge führte alles zu immer mehr Erschöpfung — bis zum körperlichen Nervensystem-Crash, einem völligen Ausgebranntsein.
Mitten im Leben mit: „Ich hab nen Säugling und zwei Teenies.“
Ich nahm sie überall mit hin.
Ich konnte nicht vor meinen eigenen Gedanken davonlaufen.
Meine eigenen Gedanken haben mich traumatisiert. Denn ich konnte nicht vor ihnen davonlaufen. Ich habe sie überall mit hingenommen. Aus dieser Zeit und der Belastung durch die Zwangsgedanken entwickelte sich für mich auch eine PTBS.
Nach einigen Wochen ließ ich mich selbst in die Psychiatrie einweisen, weil ich einfach nicht verstand, was mit mir passierte. Und als für mich die Zeit reif war, ließ ich mich auch selbst wieder entlassen.
Ich bin da drin mehr bekloppt als gesund geworden. Aber das war nur meine ganz persönliche Erfahrung.
Aus Angst wurde Panik. Und aus Panik wurden ganz verrückte, abstruse geistige sowie körperliche Zustände, die mit normalen Worten hier nicht zu beschreiben wären.
Ich habe absolut crazy Erfahrungen gemacht. In mir. Ich glaube echt, dafür nehmen andere Drogen.
Das dunkle Plateau.
Ich wusste nicht mehr, wie sich ein gutes Gefühl anfühlt.
Ungefähr drei bis vier Jahre ging es noch steil bergab. Dann gab es ein sehr dunkles Plateau, auch ungefähr drei bis vier Jahre. Seitdem geht es wieder bergauf.
Das Plateau war crazy. Ich konnte mich wirklich ernsthaft mehrere Jahre nicht mehr daran erinnern, wie sich ein gutes Gefühl angefühlt hat. Das Empfinden „gut“ war einfach aus meiner Erinnerung gelöscht.
Das war heftig. Und ich habe mich damals ernsthaft gefragt, ob ich das wohl je wieder zurückbekomme.
In meiner schlimmsten Zeit mit den Zwangsgedanken konnte ich nicht mal mehr ein Buch lesen, aufs Handy schauen oder fernsehen. Auch Radio ging nicht. Menschen treffen ging nicht.
Ich meine es ernst: Nix ging. Weil alles so getriggert hat, dass ich immer schlimmere Gedanken bekam.
Und dieses kleine Licht.
Meine Datingphase mit dem Tod.
Irgendwann gab es den tiefsten Punkt. Ich hatte mich natürlich schön gegen alles gewehrt. Wollte mir mein Leben von der Angst nicht klauen lassen. Und hatte auch aus der Therapie gelernt, dass man der Angst ins Gesicht sehen muss.
Also habe ich mich schön die ganzen Jahre, ohne es zu wissen, massivst über meine Grenzen gekegelt. Heute verstehe ich meinen Weg auch im Zusammenhang mit Bindungstrauma und vielen falschen, ungesunden Konditionierungen. Damals hatte ich diese Erkenntnis noch nicht.
An diesem tiefsten Punkt — meiner Datingphase mit dem Tod — entdeckte ich ehrlicherweise etwas in mir.
Als alles keinen Sinn mehr ergab, leuchtete ein kleines Licht in mir auf. Ich. Mein Lebensfunken. Meine Essenz. Meine Quelle, die sagte:
„Es ist hier nicht vorbei für dich. Du fängst jetzt erst an.“
Und irgendwie glaubte ich ihr. Ich wollte es auch. Denn ich wollte leben. Und ab da bin ich diesem kleinen Licht Schritt für Schritt gefolgt. Bis hierhin ins Heute.
Der Tod hat mir das Leben in mir gezeigt und geschenkt. Er war danach eine ganz, ganz lange Zeit mein Ratgeber. Ist er heute noch oft.
Ich fürchte ihn nicht mehr. Für mich ist er ein Freund, wie alle anderen Teile des Lebens auch.
Mich selbst wieder führen lernen.
Ich musste mich selbst wieder an die Hand nehmen.
Ab da bin ich ganz intuitiv dieser Stimme, diesem Licht in mir hinterhergelaufen. Denn alles von außen hat mich nur massivst überfordert, verwirrt, auseinandergenommen.
Da waren einfach zero — nee, minus 1000 Millimeter Platz für Einwirkung von außen.
Ich musste mich selbst wieder an die Hand nehmen. Mich selbst wieder führen lernen.
Klar, diese Stimme führte mich durch Wellen von Verlorensein, Zweifel, Depression und Wut. Wut lernte ich damals überhaupt erst zu fühlen. Sie hat mir massive Angst gemacht. Ich habe Angst vor meiner eigenen Kraft und Macht gespürt. Da hatte ich ein richtiges Thema mit.
Das fehlende Puzzlestück.
Wir müssen zurück in den Körper.
Diese Stimme führte mich auch über toxische Spiritualität. Die hat mir aber in der krassesten dunklen Zeit den Arsch gerettet. So habe ich das damals erlebt: Dieses Dunkel war für mich nur mit spiri Bypass-Licht im System zu halten. Ich glaube, sonst wäre ich heute nicht mehr hier.
Ich musste hart dissoziieren und mich rein geistig führen.
Irgendwann kam aber der Punkt, an dem die Stimme, diese Intuition, diese Quelle in mir ganz klar sagte: Wir müssen zurück in den Körper.
Und dann spielte mir das Universum, Gott, wieder — wie immer eigentlich — alles zu, was ich brauchte.
Erst traf ich auf das Thema Nervensystem und ließ mich selbst drei Monate dazu im 1:1 begleiten. Danach belegte ich selbst noch alle Kurse dieser Akademie damals, bis hin zur Selbsterfahrungs-Ausbildung.
Das Nervensystem war zu dem Zeitpunkt das fehlende Puzzlestück. Auf einmal spürte ich meinen Körper wieder und verstand ihn als eigenständigen Anteil von mir, den ich jahrelang, eigentlich mein ganzes Leben, einfach nicht beachtet und überhört hatte.
Daraus folgte auch mein Verständnis für innere Anteile und Multidimensionalität. Ich hörte also endlich zu und gab ihm endlich das, was er brauchte. Auch wenn es schwerfiel. Auch wenn ich dafür viele alte Überzeugungen, Konditionierungen und Identitäten sterben lassen musste.
Endlich verstand ich, wie verängstigt, verlassen und geschunden mein Körper und sein System waren.
Kranker Scheiß, sag ich euch.
Erst ich. Dann meine Kinder.
In dieser Zeit hörte ich komplett auf zu arbeiten, gab jegliche Verantwortung ab, so weit es mir möglich war, und kümmerte mich radikal um mich selbst.
Ich wählte mich vor allen anderen. Erst ich, dann meine Kinder — kranker Scheiß, sag ich euch —, dann mein Mann, dann alle anderen.
Ich ging nirgendwo mehr hin. Keine Familienfeiern. Kein Kind zur Schule bringen. Wirklich nix. Weil mein System Nein sagte.
Zu dem Zeitpunkt war ich so ausgebrannt, ich konnte noch nicht mal mehr allein den Müll rausbringen. Duschen fühlte sich gefährlich an. Atmen fühlte sich gefährlich an. Existieren fühlte sich gefährlich an.
So saß ich gefühlt fast zwei Jahre allein auf meinem Sessel und habe mich in Nanoschritten aus dieser Krise und Erschöpfung rausbewegt.
Minimalste Bewegungen habe ich als Erfolg verbucht. Denn was die ganze Zeit stand, war meine Ausrichtung, wo ich hinwill. Auch wenn ich nicht wusste, wie ich da jemals hinkommen soll.
Aber irgendwas in mir zeigte mir immer, wie es werden kann. Und daran hielt ich mich fest.
Meine Leidenschaft blieb.
Alles andere war weg. Nur das nicht.
Als ich mich mit dem Nervensystem beschäftigte und versuchte, das Gelernte wirklich im Alltag umzusetzen, wurde es echt besser. Ich konnte mich nebenbei wieder etwas mit anderen metaphysischen Konzepten befassen.
Ich beschäftigte mich mit Human Design, den Gene Keys und fand auch zur Astrologie. Denn die Leidenschaft für Psychologie und Spiritualität hatte ich irgendwie nicht verloren.
Alles andere war weg. Nur das nicht. Und auch das meine ich ernst.
Diese Konzepte dienten mir immer als Spiegel für innere Vorgänge und Anteile, die ich bis dato übersehen hatte. So wuchs mein Gefühl und Gespür für mich selbst. Für die Vorgänge in mir. Dafür, wie Dinge zusammenhingen und welche Muster wie und warum zu bestimmten Dingen geführt hatten. In mir.
Irgendwann spürte ich ganz klar, dass es bergauf geht, und hatte sofort auch wieder Ambitionen weiterzugehen. Ja, der Schatten von höher, schneller, weiter schwingt manchmal noch mit. Aber ich durfte auch erkennen, dass ich wirklich Freude daran habe, manchmal einfach schnell zu sein.
Wie Truth Guidance entstanden ist.
Da wollte etwas raus. Pur durch mich.
So absolvierte ich noch eine Basic-Astrologie-Ausbildung und eine Advanced-Astrologie-Ausbildung. Ich wollte erst als Astrologin durchstarten.
Aber wieder bremste mich die Stimme und zeigte mir, dass ich mich eigentlich nur dahinter verstecken wollte.
Ich spürte schon länger, dass da etwas in mir wuchs, das rauswollte. Dienen wollte. Aber nicht unter einem Tool. Sondern pur durch mich.
Also ließ ich schweren Herzens die Astrologie nochmal fallen und machte nochmal anderthalb Jahre Selbstforschung und Pause, quasi.
Ich ließ mich weiter führen, ging Schritte und ließ sich aus mir heraus entwickeln, was da rauswollte. Irgendwann erkannte ich, worum es ging.
Daraus ist Truth Guidance entstanden.
Schublade für Schublade.
Den Weg nach Hause wiederfinden.
Die Weisheit, die ich in dieser ganzen Zeit gesammelt habe, soll nicht mir allein dienen.
Ich habe an diesem Tag des kleinen Lichts meine Quelle wiedergefunden. Heute möchte ich Frauen helfen, ihre eigene Quelle wiederzufinden.
Sie ist nicht verloren oder weg. Sie ist nur verschüttet unter all dem Ballast und Schmodder, den wir drübergelegt haben. Und danach haben wir unser eigenes Haus verlassen und sind nicht wieder zurückgekehrt.
Ich helfe den Frauen, ihren Weg zurück nach Hause zu finden. Und dann räumen wir auf.
Schublade für Schublade.
Ganz langsam.
Rein in ein selbstbestimmtes, aus der Quelle gewachsenes, stimmiges, erfülltes Leben. Eins, was sich endlich nach dir anfühlt.
